Der Berner Sennenhund
Nationalhund der Schweiz

Dürrbächler
unter diesem Namen wurde er bekannt
Seine Fellzeichnung gab dem Hund damals den Namen. Trug er einen ausgeprägten weissen Halskragen, dann war’s ein Ringgi, ein Hund mit breiter Blesse über Nasenrücken und Stirn war ein Bläss und war die Blesse nur durch einen Strich angedeutet oder fehlte sie ganz, dann war’s ein Bäri. Im Emmental hiess er auch Gelbbäckler oder wegen seiner charakteristischen gelben Flecken über den Augen, Vieräugler.
Die heute vorherrschende schwarze Farbe mag eher selten gewesen sein, noch heute sagt man im bernischen Oberaargau, wenn man häufiges Vorkommen illustrieren will
"S’ het me dervo weder rot Hüng" (Es gibt davon mehr als rote Hunde), obschon auch hier heute kaum mehr rote Bauernhunde zu sehen sind. Der Berner Sennenhund war der Hofwächter, der Käsereihund, der Treibhund des Viehhändlers und Metzgers und, nur so nebenbei, der "Renommierhund" des Bauernburschen, wenn er, als schwacher Abglanz seiner Tätigkeit als Kriegshund der Eidgenossen (z.B. bei Laupen oder bei Murten), von sich aus bei Kilbi- und Märitschlägereien zugunsten seines Herrn eingriff (J. Gotthelf, Michels Brautschau). So war dieser Hund wohl überall im bernischen Mittelland, im Emmental und im Voralpengebiet verbreitet.
Sein Äusseres war zwar nicht so einheitlich wie heute, aber eine gewisse Einheit in Bezug auf Charakter, Grösse und vielleicht auch Zeichnung war schon vorhanden. Der endgültige Zusammenbruch des "Ancien règime" in den dreissiger Jahren räumte, wie mit so vielen Althergebrachtem, zum Teil auch mit den einheimischen Hunden auf.
In England und in Deutschland begann man, Hunde stammbuchmässig, und nach bestimmten Rassenkennzeichen (Standard) wie edle Pferde zu züchten, man organisierte Hundeausstellungen und erzielte für gute, rassenreine Hunde ansehnliche Preise. Dass auch die einheimischen Bauern- und Metzgerhunde "Rassen" sein könnten, daran dachte man erst reichlich spät. Auch bei der Gründung, der Schweizerischen Kynologischen Gesellschaft im Jahre 1883 redete noch niemand von den Sennenhunden und auf den ersten Hundeausstellungen in Zürich und Aarburg waren noch keine Sennenhunde zu sehen. Doch auf den Bauerhöfen und vor allem in den abgelegnen Tälern waren die alten "Gelbbäckler" noch zu Hause, und in letzter Minute erwuchs ihnen im bekannten Geologen Prof. Dr. Albert Heim ein prominenter Förderer.
Die Geschichte des Berner Sennenhundes als Rassenhund begann als der Wirt Franz Schertenleib von der Rothöhe bei Burgdorf einen "Gelbbäckler" aus dem Dürrbachgebiet nach Burgdorf brachte.
Damit war auch schon noch heute im Kanton Bern der gebräuchliche Name Dürrbächler geboren. In der Folgezeit brachte Schertenleib noch mehrere solcher Hunde nach Burgdorf, und 1902 erschienen zum ersten Mal sieben Dürrbächler auf der Hundeausstellung in Bern. 1907 erfolgte die Gründung des "Schweizer Dürrbachklubs", und ein Jahr später wurden auf der Hundeausstellung in Langenthal dem Richter Albert Heim bereits 21 Dürrbächler vorgestellt. Es war Heim, der dann die Umbenennung in Berner Sennenhund vorschlug.
Damit erhielt der alte Bauernhund einen wohlklingenden Namen, und schon 1910 erschienen auf einer Zuchtschau in Burgdorf 107 Hunde, wovon allerdings eine ganze Anzahl absolut untypisch und für die Weiterzucht wertlos war.
Es war jedoch "schreibt Heim in seinem Richterbericht, als hätte man im Oberaargau und Emmental einen verlorenen Sohn wieder gefunden".
Der eigentliche Begründer der Zucht war dann jedoch nicht Schertenleib in Burgdorf, später auch der Tierarzt Dr. Scheidegger in Langenthal.
Der schöne Bauernhund hat unterdessen einen wahren Siegeszug durch ganz Europa angetreten und wird heute auch in den USA gezüchtet.
